Sich ethische zu verhalten anstatt postfaktisch zu handeln wäre für den neuen us-ame­rikanischen Präsidenten Trump angebrachter. Er behauptete etwa, bei seiner Inauguration seien mehr Menschen dabei gewesen als bei der von Obama. Nachdem was ich auf Bildern gesehen habe war das nicht richtig. Da diese Bilder von mehreren unabhängigen Quellen stammen glaube ich diesen. Seine Sprecherin musste einräumen, dass „alternative“ Fakten vorlägen. Mein Misstrauen gegen Trump erscheint mir immer berechtigter.

Auch andere Führer haben die Faktenlage schon in ihrem Sinne „geschönt“, also postfaktisch gehandelt:
Putin: Es seien keine russischen Soldaten in der Ukraine oder die Abstimmung über die Krim sei neutral gewesen.
Erdogan: Er will angeblich die Demokratie retten, demontiert aber das Parlament.
Hitler wollte angeblich den Frieden erhalten stürzte aber die halbe Welt in einen mörderischen Krieg. Am Ende entzog er sich der Antwort durch Selbstmord.
Auf die Antwort der anderen o.g. Führer müssen wir noch warten.

Aber selbst in unserer deutschen Gesellschaft dreht die politische Führung die Faktenlage schon mal in Ihrem Sinne. Dies tat sie etwa bei der Zahl der Arbeitslosen.

Heute ist der Begiff „postfaktisch“ in Mode gekommen. Er verdeutlicht, dass die Menschen in ihrer Sicht auf die Fakten immer weiter auseinander liegen. Die in meinem Buch getroffene Diagnose sehe ich bestätigt. Die überwiegende Mehrzahl der Menschen ist offensichtlich nicht in der Lage, eine gemeinsame Wirklichkeit zu erkennen und danach zu handeln. Die meisten jagen vorwiegend nach materialistischen Dingen und haben ihre geistig-seelische Entwicklung vernachlässigt oder gar unterlassen. Sie kommen mit der komplexen Welt nicht mehr zurecht und flüchten sich in eine „Faktenresiszenz“. Trump leugnet etwa die Klimakatastrofe. Trump macht mit seinem irrationalen Verhalten die schreckliche Verirrung des Menschen aktuell deutlich.
Die Menschen entwickeln keine Fähigkeiten, in ihren Gruppen, Populationen und Gesellschaften produktiv zu kommunizieren. Sie haben es insbesondere versäumt, solche Fähigkeiten zu entwickeln, die die richtigen Menschen an die führenden Positionen bringen.

Gewiss, die Sachlagen sind durch den Menschen selbst immer komplexer geworden. Semantik und Kommunikation etwa sind schwierig. Wenn es aber nicht gelingt, sich über reale Situationen und Lösungen zu verständigen sind die Interessengegensätze und die daraus resultierenden Konflikte vorprogrammiert. Diese bedeuten bei den heutigen technischen Möglichkeiten – Waffen, Gifte, Klimakatastrofe usw. – höchste Gefahren für die Menschen – ja sogar die Menschheit. Es müsste im Interesse der gesamten Menschheit liegen, sich auf ein gemeinsame „Wirklichkeit“ zu verständigen, um solche Gefahren zu vermeiden.

Andere postfaktische Erscheinungen sind etwa die immer weiter zunehmenden Verschwörungstheorien – z.B. über die „Chemtrails“. Theorien darüber wie etwas zusammenhängen könnte sind zwar durchaus angebracht – sie sind aber nicht die Realität. Aber nur mit einer gemeinsamen Realität kann Gemeinsamkeit zustande kommen.

In dem Buch habe ich die biologische Funktionsweise unseres Hirns und den Bezug zur Realität erklärt: Wir müssen unsere Hirnkonstrukte darauf hin überprüfen. Sonst verhalten wir uns möglicherweise falsch und kommen u.U. sogar um. Etwa wenn wir alle fossilen Vorräte aus der Erde holen würden und mit der heutigen Technik verbrennen. Das könnte unsere Lebensbedingungen zerstören.

Eine gemeinsame Ethik wäre eine gute Grundlage für ein Verhalten, das uns vor solch katastrofalen Handlungen bewahrt. In meinem Buch habe ich eine derartige Überlebensethik erläutert. Aber mit Leuten wie Trump scheint so etwas nicht möglich zu sein.